Mein Leben mit Morbus Crohn

Wie findet man die richtigen Worte, um etwas zu beschreiben, mit dem man sein ganzes Leben lang zu kämpfen hat.
Um ehrlich zu sein, ich weiß es selbst nicht.
Aber ich bin es leid, mich hinter diesem angeblichen „Tabu Thema – Morbus Crohn“ vor der Gesellschaft zu verstecken.
Also nehme ich euch in diesem Beitrag auf mein ganz eigenes Abenteuer mit.

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn ist eine Chronische Darmentzündung, die sich im gesamten Verdauungstrakt ausbreiten kann.
Die Schleimhäute entzünden sich und das Immunsystem weiß nicht mehr wirklich, was gut und böse ist. Ein normales Immunsystem funktioniert so, dass sich Immunzellen auf die „Bösen“ kranken Zellen setzen und diese zerstören.
Mein Immunsystem bekommt das nicht mehr geschissen und produziert zu viele Immunzellen, die sich auf die „Bösen“ Zellen setzen aber auch auf die „Guten“ und auf alle anderen. Ein ziemliches Chaos entsteht und mein Körper zerstört sich sozusagen selbst, sodass sich Entzündungen in den Schleimhäuten bilden können.

Durch das gestörte Immunsystem bin ich anfälliger für andere Krankheiten geworden. Ich bekam nachts Krampfanfälle und ich hatte Abszesse, die mir chirurgisch entfernt werden mussten. Vor allem auf größeren Reisen ist es echt ätzend, nicht zu wissen, wo die nächste Toilette ist. Denn jeder kann sich vorstellen: wenn man einen kaputten Darm hat, kann dieser wichtige Nährstoffe nicht mehr aufnehmen und die Nahrung wird nicht verdaut. Und so bekommt man dann Durchfälle und Entzugserscheinungen, weil dem Körper wichtige Nährstoffe und die nötige Energie fehlen. Man fühlt sich träge und schlapp und oft sehr unmotiviert.

 

Das Immunsystem

Wie alles begann:

Jeder kennt das Gefühl, wie es ist, Bauchschmerzen zu haben und dazu noch eine Magen-Darm-Grippe.
Ein stechender unangenehmer Schmerz im Unterleib und ätzende Toilettengänge.
Damals dachte ich mir nicht viel dabei. Ein paar Tabletten hier und ein paar andere Lebensmittel dort und schon musste es doch wieder gut werden. Als meine Bauchschmerzen, man kann schon Krämpfe dazu sagen, schlimmer wurden, ging ich wieder zum Arzt und ließ mich gefühlte 100 Mal untersuchen. Es wurde regelmäßig Blut abgenommen und ein Ultraschall gemacht. Schon komisch so ein Ultraschall, wenn man sonst immer dachte, den ersten Ultraschall bekommt man, wenn man schwanger ist.
Aber Spaß beiseite.

Meine Blutwerte waren eine reinste Katastrophe und jeden Tag ging es mir schlechter. Meine Entzündungswerte im Blut waren inzwischen bei 150 und ich merkte, wie ich jeden Tag immer mehr mit mir und meinem Körper kämpfen musste. Meine Ärztin organisierte mir schnell einen Termin bei einem Gastroenterologen, bei dem ich eine Darmspiegelung machen lassen musste.
Bis dahin musste ich noch zwei lange Wochen warten.
In diesen Tagen wurde mein Zustand immer schlechter. Ich konnte nichts mehr essen, nichts mehr trinken und nicht mehr laufen. Ich habe mich jeden Tag mehrfach Übergeben müssen und ja … mir ging es echt richtig scheiße. In diesen zwei Wochen habe ich ungefähr 20 kg abgenommen und ich bestand nur noch aus Haut und Knochen.
Dann endlich meine Spiegelung.
Nachdem mein Arzt mich untersucht hatte, saßen wir gemeinsam im Sprechzimmer und er überreichte mir die nicht so tollen Nachrichten.

„Frau Wöhling. Sie haben Morbus Crohn.“ sagte er zu mir. Zuerst wusste ich nicht, wie sehr mich diese Krankheit verändern würde aber es war Ok. Ich nahm es tapfer auf und machte das Beste draus. Denn mir bleib ja nichts Anderes übrig. Also bekam ich Medikamente, die die Symptome des Morbus Crohns unterdrücken.

Es nahm kein Ende!

Da mein Crohn in den letzten Jahren sehr aggressiv geworden ist, musste ich häufig Medikamente wechseln und immer wieder hoch dosierte Kortison Phasen über mich ergehen lassen. Die Nadel im Heuhaufen zu finden, ist nun mal nicht so einfach.

Zurzeit nehme ich das Medikament Simponi, mit dem ich auf einem sehr guten Weg bin, meine Krankheit unter Kontrolle zu bekommen.
Da mein Crohn mich nicht in Ruhe gelassen hat und mein Zustand wieder kritischer wurde, haben meine Ärzte und ich uns dazu entschlossen, mir einen künstlichen Darmausgang setzen zu lassen.
All das, warum, wieso, weshalb findet ihr unter dem Beitrag „Willy-Meine Raupe Nimmersatt“

 

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Ein von 🦄⚓️ Lisa Wo (@lisahier) gepostetes Foto am

Gib nicht auf!

Trotz meiner Krankheit habe ich mich nie versteckt. Ich habe immer noch das gemacht, worauf ich Lust hatte und mein Leben genossen. Ich habe nie meine Krankheit in den Vordergrund gestellt, von daher werden sicher Einige überrascht sein, diesen Artikel von mir zu lesen.

Eine Krankheit sollte niemals einen Menschen beeinträchtigen. Klar, manchmal weiß man nicht, wie sich das alles entwickelt und wie sehr man eingeschränkt wird. Man fühlt sich schlapp und alleine. Unverstanden. Aber es lohnt sich, positiv in die Zukunft zu blicken und vor allem niemals sein bezauberndes Lächeln zu verlieren.
Was zählt ist das, was Ihr aus Euerm Leben und Eurer Krankheit macht.

Ich möchte anderen Morbus Crohn Patienten zeigen, dass sie alles erreichen können und sich nicht von der Krankheit beeinflussen lassen sollen. Das Leben hat noch so viel zu bieten, und es wäre schade, sich selbst zu verlieren und blind durch das Leben zu ziehen. Also denke positiv und verliere niemals dein kostbares Lächeln, auch wenn es manchmal nicht so einfach ist!