Immer wieder stößt man in der Gesellschaft an sogenannte „Tabu“ Themen. Seien es Depressionen, Krankheiten wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa, sowie das leben mit einem Stoma. All das sind Krankheiten, die in der Gesellschaft noch nicht angekommen sind und immer wieder von den Menschen als nicht wichtig erachtet und ausgeblendet werden.
Auch ich, als Morbus Crohn betroffene und Stoma trägerin merke immer wieder aufs neue, das die Gesellschaft bezüglich dieser Thematik noch nicht bereit ist und viel zu wenig darüber weiß um zu verstehen was es bedeutet, dieses Leben zu führen.

Das ist auch eins der größten Anliegen, wesshalb ich mich entschlossen habe zu sprechen und meine Geschichte und meine Erfahrungen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Um Menschen Mut zu machen und unwissende aufzuklären.

Du bist nicht Krank!

Wisst ihr, was das schlimmste daran ist, so eine Krankheit zu haben? Das man nach Außen hin für andere Menschen vollkommen Gesund aussieht aber im inneren irgendwie zerreißt! Ich habe oft von Menschen in meinem Umfeld gehört, das es ja nicht sein kann, das ich so plötzlich absage. Warum ich mich nicht regelmäßig melde oder warum ich lieber alleine bin, anstatt mich unters Volk zu mischen. Lisa warum schottest du dich ab? Lisa hier, Lisa da. und ja, Freundschaften sind zerbrochen. Aus mangelnder Akzeptanz und vielleicht auch durch Inkompetenz mir gegenüber.

Aber unter uns, es ist so anstrengend jeden Tag durch den Tag zu kommen. Das man in manchen Zeiten einfach Zeit für sich selbst braucht. Wo man auf seinen Körper hören muss und einfach zu schwach ist Abends noch eine sinnvolle Kommunikation mit seinen Freunden aufzubauen.
Denn als jemand, mit einer chronischen Krankheit kämpfe ich mit geringen täglichen Aufgaben. Ich stolpere über Dinge, die für mich eigentlich einfach sein sollten. Nehme mir viel vor, wohl wissend, dass ich niemals in der Lage sein werde, all die dinge zu erledigen. Muss Pausen machen, wenn ich die Treppe hoch und runter laufe und merke das mein Körper schon mit den kleinsten Dingen überfordert ist.

Es ist nicht Fair, das Menschen so urteilen und sagen, nur weil man gesund aussieht müsse es heißen, auch gesund zu sein und NICHT Krank. Niemand auf der Welt sollte so Urteilen, denn jeder Mensch ob Gesund oder Krank hat sein Päckchen zu tragen. Seine Geschichte. Seine Geheimnisse.

 Stoma? IHHHH!Bähhh! Was ist das?!

Inzwischen kann ich meine Krankheit nicht mehr für mich behalten, denn durch mein Stoma auch Willy genannt ist meine Geschichte, mein Geheimnis für alle sichtbar. Natürlich kann ich meinen Beutel mit geschickter Kleiderwahl kaschieren und verstecken aber manchmal kann er es nicht lassen und guckt dann doch ab und zu mal aus dem Shirt raus. Oder die Form setzt sich in den Klamotten ab. Ebenso im Schwimmbad ist es unmachbar, mein Stoma zu verstecken. Umso mehr Respekt habe ich davor, wie andere Menschen auf mich und mein Stoma reagieren. Wie sind ihre Blicke, ihre Reaktionen.

Ich bin sehr überrascht, wie sehr das Thema angenommen wird. Dennoch habe ich auch schon negative Erfahrungen sammeln müssen. Aber ich kann mit stolz sagen, das Ich immer noch ich bin und das kann keine Narbe oder kein Beutel ändern. Auch wenn es manchmal schwer ist all das zu Akzeptieren.

Trotz allem betrachte ich die dinge auch aus einem ganz anderen und zerbrechlichen Blickwinkel und ich bin der Meinung, das wenn Menschen 4 Tage nach der Operation Negative Reaktionen gezeigt bekommen oder Kommentare einstecken müssen, das sie sich selbst nicht mehr mögen. Das Betroffene angst haben sich zu öffnen und sich zurückziehen und in ein so großes loch fallen, wo sie nicht so einfach mehr heraus kommen.
Als hätten wir Chrönchen nicht genug zu kämpfen.

Ich denke ich spreche hier für alle, die ähnliche Erfahrungen erlebt haben oder einfach nur ungesehen Krank sind.
Das einzige was wir brauchen ist nur ein kleines bisschen Akzeptanz.