Am Anfang habe ich nicht so recht realisiert, wie sich mein Leben unter der Krankheit verändern würde. Erst jetzt nach so vielen Jahren und so vielen Auf und Abs erkenne ich, was es heißt, wirklich mit dieser Krankheit leben zu müssen.
Natürlich kann ich nur aus meinen eigenen Erfahrungen berichten und erzählen wie es mir erging. Bei jedem Menschen verhält sich der Crohn ganz unterschiedlich. Bei dem einem verläuft es reibungslos. Bei dem anderen ist es Komplizierter.

Aber generell denke ich, dass man einen ständigen und täglichen Kampf mit sich selbst führt und versucht, nicht den Boden unter seinen Füßen zu verlieren, sondern trotz allem positiv in die Zukunft zu blicken. Was natürlich nicht immer funktioniert.  Es gibt Tage, an denen man glaubt, nicht mehr stark genug zu sein. Aber es gibt auch die guten Tage, an denen man wieder so viel neue Energie und Lebensfreude zurückgewinnt.

Ich denke aber, dass das Schlimmste an dem Morbus Crohn ist, jeden Tag mit einer gewissen Ungewissheit aufwachen zu müssen. Man ist der Krankheit ausgeliefert und man weiß nie, wann sie kommt und wann sie geht und wann du am Ende wieder einen Schub bekommst.

Doch der Schub alleine ist es nicht. Zusätzlich wird dein Verstand und dein Körper von unzähligen Entzugserscheinungen begleitet. Krampfanfälle durchdringen deine Träume und reißen dich in die Realität zurück. Appetitlosigkeit wird dein bester Freund und die Kilos purzeln nur so von alleine. Man versucht, die Schmerzen zu unterdrücken und jeden Tag das Beste aus dem Leben zu machen. Also schmücke ich jeden Morgen mein Gesicht mit einem Lächeln und versuche, normal auf andere zu wirken. Denn ich möchte nie auf meine Krankheit reduziert werden. Mitleid bekommen oder geschweige denn jeden Tag daran erinnert zu werden, krank zu sein.

Finde die Balance

Ich denke, das wichtigste Rezept mit der Krankheit gut zurecht zu kommen, besteht darin das Gleichgewicht zwischen Krakheit/Körper und Willen zu finden. Denn nur so ist ein gutes Zusammenspiel mit dem Alltag möglich.
Meine Krankheit betrachte ich inzwischen wie einen Teil von mir – genauso wie mein Grübchen oder meine Zahnlücke. Manchmal ist es so, dass ich und mein Körper Kompromisse eingehen müssen, denn manchmal muss ich auf ihn hören, obwohl ich gerne unterwegs sein möchte und  manchmal muss mein Körper auf meinen Willen hören, weil ich definitiv unterwegs sein werde. Ich denke, damit hat sich mein Körper gut abgefunden.

Auch wenn deine Krankheit dir manchmal Steine in den Weg legt, solltest du nie vergessen, wie wertvoll und wunderbar das Leben sein kann. Natürlich ist es schwer, sich mit all den Nebenwirkungen, Therapien und der Krankheit selbst auseinanderzusetzen und sie zu akzeptieren. Aber wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Irgendwann wird es zur Routine, und man gewöhnt sich an die möglichen Einschränkungen. Wichtig ist dabei, nie sein Leben aus den Augen zu verlieren. Man kann trotzdem alles tun und machen, was man will und man sollte sich nicht beeinträchtigen lassen. Genieße dein Leben und lebe es so, wie du es möchtest. Sei du selbst und versuche dir deine Träume auch mit Einschränkungen oder Kompromissen zu erfüllen.
Es gibt immer einen Weg, wenn man es nur fest genug will.