Darf ich vorstellen? Das ist Willy mein Stoma. Willy ist eins meiner bisher gehüteten Geheimnisse, und er wird mich in den nächsten Monaten auf meinem Abenteuer, man nenne es Leben, begleiten. Mein Stoma Willy habe ich erst ein paar Wochen, deshalb ist es noch ganz frisch und ungewohnt mit ihm. Aber ich denke, er und ich sind auf dem besten Weg unzertrennliche Buddys zu werden.
Aber dazu später mehr.

Warum habe ich Willy | ein Stoma?

Da mein Crohn in den letzten Monaten unaufhaltsam wurde und ich so gut wie meine Tage nur noch im Bett verbringen konnte, haben meine Ärzte und ich die Notbremse ziehen müssen. Ich habe wieder sehr abgebaut und jeden Tag begleiteten mich unerträgliche Schmerzen. So schlimm, dass ich so gut wie nichts mehr gegessen habe. Aus Prinzip. Denn ich hatte Angst. Angst vor dem Essen. Angst davor, wie es durch meinem Körper wandert und mich innerlich zerreißt. Es ist unbeschreiblich, wie sich sowas anfühlt und ich wünsche es Niemandem.
Eins war aber definitiv klar. So kann es nicht weitergehen.
Meine Therapie wurde gerade umgestellt und mein Körper war schlicht und einfach mit meiner generellen Verfassung überfordert.

Also sprach ich das Thema „Künstlicher Darmausgang“ an. Mein Arzt war überrascht aber irgendwie auch erleichtert, dass die Idee von meiner Seite aus kam.
Nach meinem Gespräch ging auch alles ziemlich schnell. Ich hatte den Termin und die Besprechung bei meinem Chirurgen und am nächsten Tag war schon die OP.
Es überkam mich dann doch ein wenig, wie schnell alles seinen Weg gegangen ist und ich hatte sehr großen Respekt und auch Angst vor diesem Eingriff.

Happy Birthday

 

Am 14.09.2016 war es dann endlich soweit. Willy was Born. Ich war überrascht, wie wenig Schmerzen ich nach der OP hatte und noch erstaunter war ich, als ich das Stoma das erste mal gesehen habe. Irgendwie war es lustig, ihn anzuschauen und zu beobachten. Aber gleichzeitig wusste ich, dass mein Körper nie mehr so sein wird, wie er mal war. Narben verzieren meinen Bauch und ich werde immer Spuren von diesem Abschnitt in meinem Leben mit mir tragen.

Natürlich hat man Angst vor dem, was kommen mag. Wie reagieren meine Freunde, meine Familie und vor allem wie wird die Gesellschaft auf meinen neuen Freund reagieren? All diese Fragen schossen durch meinen Kopf. Dennoch muss ich sagen, dass ich irgendwie froh darüber gewesen bin, das Stoma jetzt bei mir zu haben. Denn durch ihn wird alles so viel einfacher. Keine Schmerzen, keine Gedanken ums Essen. Und ja inzwischen kann ich sagen, es ist das beste was mir je passiert ist.

Das Stoma & ich

Mein Stoma und ich sind in den letzten Wochen nach der OP richtige Freunde geworden. Manchmal macht er noch ein paar Faxen, dass es zieht und es weh tut, aber das sei ihm verziehen. Ich kann rumlaufen und essen wie schon lange nicht mehr und ich merke, dass sich mein Körper jeden Tag mehr und mehr erholt.
Ich bin gespannt, welche Abenteuer Willy und ich noch erleben und wie wir uns in der Zukunft noch weiter einspielen werden. Ich denke aber, wir sind auf einem sehr guten Weg, die gemeinsame Zeit glücklich miteinander zu verbringen.
Auch wenn es irgendwann wieder heißt, lebewohl zu sagen.